Europa-Pizza

Bald ist es wieder so weit. Hässliche Menschen werden sich hässliche rot-schwarz-goldene Perücken aufsetzen, ihren durch jahrelangen Bierkonsum geformten Körper in Trikots stopfen und dabei “Seven Nation Army” von den White Stripes summen. Ja, es ist bald wieder UEFA Fussball Europameisterschaft. Das mag jetzt vielleicht gemein klingen, entspricht aber leider der Realität. Die Geschäfte füllen sich bereits langsam mit Fanartikeln in Nationalfarben. Es scheint als ob in den Marketingabteilungen dieses Landes die EM als einzige Möglichkeit gesehen wird ihre Waren zu verkaufen. Es spricht nichts dagegen Fan zu sein, auch nicht wenn es eine Nationalmannschaft ist, aber was mir auf die Nerven geht ist die pure Übertreibung.

Heute im Briefkasten befand sich das Hochglanzprospekt einer Pizzalieferdienstkette. Dieses Prospekt ist ein wunderschönes Beispiel wie weit dieser undurchdachte Wahnsinn geht. Als erstes werden verschiedene Produkte nach Begriffen aus dem Fussballglossar benannt. Es ist genau der selbe Schrott, der es immer ist, aber jetzt heißt ein Muffin “Doppelpass”, Käse-Sticks werden zur “Fanmeile” und ein herkömmliches Häagen-Dazs Eis wird zu “Nachspielzeit”. Das allein reicht schon aus, dass sich jegliche Nackenhaare sträuben. Es wird aber noch schlimmer. Die Pizzen wurden “landestypisch” gestaltet und so gibt es für jedes Teilnehmerland der EM eine spezielle Pizza. Man könnte jetzt annehmen, dass der Pizzabäcker wenigstens jeder Nation einen passenden Belag serviert hat. Ein paar funktionieren, so ist “Holland” nichts weiter als eine Vier-Käse-Pizza oder die “Griechenland” eine Meeresfrüchte-Pizza. Das ist sicherlich klischeehaft, aber ich krieg noch die Herleitung. Warum “Deutschland” allerdings nichts weiter als eine Salamipizza,  die “Russland” eine Calzone mit Edamer, Schinken und Oliven ist oder die “Kroatien” im Grunde eine Pizza Hawaii ist, wird nur schwerlich zu erkennen sein. Die Hauptsache scheint zu sein, dass man den Bezug zur EM geschaffen hat. Stecken da detailierte Marktforschungsdaten hinter? Mag der kroatische Marketingpraktikant einfach nur gerne Ananas? Oder war es ein feucht-fröhliches Brainstorming der Marketingabteilung? Wir werden es wohl nie erfahren.

Wenige Wochen sind es noch bis zum Eröffnungsspiel. Ich glaube, das “Alles” wird noch schlimmer. Zeit also eine kleine Reihe über Sinn und Unsinn von EM-Marketingmaßnahmen zu starten. Heute fängt es an und hoffentlich ist es bald zu Ende.

Der BVB und Ich

Gelb-Schwarze Impressionen by saganelle

In der Grundschule hat es irgendwann angefangen. In meiner Schule war man entweder Dortmund oder Bayern-Fan. Das Verhältnis war 50 zu 50. Das mit dem Bayern-Fansein hab ich so irgendwie nie richtig verstanden. So nah am Ruhrgebiet konnte man doch nicht einer Mannschaft zujubeln, die hunderte Kilometer entfernt spielte. Ich wollte lieber lokal bleiben. Es muss so um 1992/93 gewesen sein als ich mein erstes Spiel mit Dortmunder Beteiligung sah. Ein unbedeutendes Freundschaftsspiel irgendwo in Hamm. Aber es genügte um sich zu verlieben. Heimlich, still und leise. Durch Stadien bin ich nie gepilgert. Auch war ich noch nie im Westfalenstadion. Die gelbe Wand hab ich noch nie live erlebt. Aber es hielt mit verschiedenen Einbrüchen. Als ich nach Löhne zog war ein wenig Arminia Bielefeld angesagt. Als ich nach Berlin zog waren es Hertha BSC und Union. Ich bin immer der Auffassung gewesen, dass man lokale Mannschaften auch unterstützen müsste. Berlin macht es einem aber nicht einfach. Nicht etwa, weil Hertha immer irgendwie verliert, sondern weil der Verein einfach unsympathisch ist. Dortmund dagegen war immer da. An die Meisterschaften von ´95, ´96 und ´02 kann ich mich nur noch dunkel erinnern. Ich verbinde sie nicht mit besonderen Erlebnissen. Sie sind im Hinterkopf, aber irgendwie auch nicht mehr richtig präsent.

Das hat sich geändert. Die Meisterschaft im vergangenen Jahr fiel ungefähr auf einen Zeitraum, in dem sich mein Leben ein wenig änderte. Es waren große Gefühle im Spiel. Auf dem Spielfeld und auch neben dem Platz. Es war die erste Meisterschaft die ich irgendwie real erlebte. Und jetzt dieses Wunder. Dortmund holt sich die Meisterschaft, deklassiert Bayern München in der Liga und zerfetzt sie im Pokal. Ganz Berlin war gestern schwarz-gelb. Nur wenige Bayerntrikots sah man durch die Stadt laufen. Der komplette Breitscheidplatz war mit Dortmundern gepflastert. Man verlor sich leicht. Gelbe Trikots sind nicht unbedingt eine individuelle Markierung in einer gelben Masse. Mehrere Freunde hatten Tickets direkt für das Olympiastadion, andere für die Waldbühne. Der Weg war problematisch. Der Weg war der erste Kampf des Abends. Der Bahnhof Zoo ist zu klein um solche Massen zu bewältigen. Teilweise fielen die S-Bahnen aus. Der Zugang zu U2 war zu eng. Die Polizei verlor die Kontrolle über die Zugänge. Unkontrollierte Menschenmengen auf schmalen Bahnsteigen sind gefährlich. Das Gefühl von Platzangst machte sich breit, dann doch lieber mit dem Bus, auch wenn es länger dauert. Die Waldbühne war ausverkauft. 18.000 Dortmunder Fans 300 Meter vom Olympiastadion entfernt. Ein grandioses Schauspiel. Die meisten Leute hatten wir da schon verloren. Es gab auch keinen Handyempfang mehr. Dann der zweite Kampf des Abends. Das Spiel verlief schnell. Nach drei Minuten das erste Tor für den BVB. Dann zwei Elfmeter. Irgendwann Halbzeit. Und am Ende gewinnen sie 5:2. Jubel. Freude. Desillusion. Philipp Lahm erzählt, dass die Münchener die bessere Mannschaft war. Noch mehr Verwunderung. Das erste Double in der Vereinsgeschichte und ich war unmittelbar live dabei. Schön war´s. Und im nächsten Jahr fahren wir dann endlich auch mal zu einem Spiel nach Dortmund.

Waldbühne by saganelle

Waldbühne by saganelle

BurgerBenchmarking #7 BioBuffet Marheineke Markthalle

Der Burger in seiner Form ist eigentlich nur ein gedankliches Konstrukt. Im Grunde bekommen wir eine Scheibe gebratenes Hackfleisch mit 2 Brotscheiben und dem Gedöns dazwischen. Wir geben dem Ganzen auch noch eine Reihenfolge und definieren einen Cheeseburger als eine geordnete Menge B = (Brot, (Gedöns), Fleisch, Käse, Gedöns, Brot). Da wird eigentlich niemand wiedersprechen, führt uns aber zum heutigen Problem. Nehmen wir die Reihenfolge raus und minimieren das Gedöns weg, so führt uns das Ganze zu B*=(2xBrot, Käse, Fleisch), was zu einem Paradoxon in meinem Kopf führt, da ich einen Burger als Patty in Brot definiere, die Mathematik uns aber sagt , dass es hauptsächlich Brot mit Fleisch ist. Das BioBuffet mag anscheinend Mathematik.

Ein unerwartet früher Feierabend führte mich zusammen mit den Kollegen aus der Social Media Abteilung zur Marheineke Markthalle in Kreuzberg, was immer angenehme Gesellschaft ist und die Markthalle ist zu 90 Prozent Food und Genuss. So gibt es nichts weiter zu sagen und wir kommen zu den Fakten:

Fangen wir heute mal mit den Pommes an. Frisch, knusprig, vielleicht einen Tick zu fettig, aber schön nach Kartoffeln schmeckend und mit den richtigen Grad an Salz. Der Burger als Gesamtkonstrukt hat aber enttäuscht. Das Fleisch war durchaus saftig, aber fad gewürzt. Käsegeschmack kam auch nicht so richtig durch. Das Gedöns bestand aus kleingeschnittenem Salat, Röstzwiebeln und selbstgemachten Ketchup, der einzeln probiert, durchaus aromatisch war. Das Brötchen ist das Problem. Es war einfach zu dick und übernimmt den ganzen Geschmackraum. Auch ein wenig pappig. Zu viel Teig für zu wenig Fleisch. Für die Mittagspause trotzdem interessant, vor allem weil die Kollegen meinten, dass die Qualität normalerweise besser ist. Heute gibt es erstmal 5 von 10 Punkten.

Andere Menschen und ihre Meinung im Social-Media-Check und zwar nur direkt auf das BioBuffet bezogen, also ohne Markthalle Kommentare:

  • Foursquare: 203 Check-Ins von 35 Personen. Ein geschmackstechnisch-neutraler Tipp, der besagt, dass man mit einer Stempelkarte irgendwann einen Burger umsonst bekommt. Ist aber auch schon von Februar 2011.
  • Twitter: Nix
  • Facebook: Erstaunlicherweise auch nix.
  • Qype: Im Durchschnitt 4 von 5 Sternen bei 11 Beiträgen.
  • Homepage: Vorhanden, behandelt aber natürlich größtenteils die anderen Speisen und das Catering.

re:publica 12 / Tag 1

Ein gelungener erster Tag ohne besondere Höhepunkte. Sicherlich kein Satz, den man täglich benutzt, aber er spiegelt ganz gut den ersten re:publica Tag wieder. Viele Leute hab ich getroffen. Ein paar Panels gehört. Den Plan live zu bloggen ein wenig aufgegeben, da das WLAN nicht wirklich hält.

Angefangen mit “Start-Up Standort Deutschland” moderiert von Thomas Knüwer mit Jens Begemann, Andreas Thümmler, Björn Böhning und Heiko Rauch. Leider mit zu vielen Buzzwords und lauter Phrasen. Wenn dann Sätze wie “bei uns im Valley” fallen, dann krieg ich ja meistens schon zu viel. Es war ein Wettbewerb von Egos, die gerne was Wichtiges sagen wollten, aber doch irgendwie nicht konnten.

Als nächstes folgte ein Panel über digitale Utopien “Der wandelnde Computer-User” von Jana Herwig und Susanne Zöhrer. Eine interessante Darstellung von diversen Bildern, wie wir uns die Arbeit mit dem Computer und die Interaktion früher vorgestellt haben und was letztendlich daraus geworden ist. Die Präsentation wirkte ein wenig wie eine 90er Jahre Gameshow, war aber doch interessant.

Dann die Rechtsbelehrungen von Udo Vetter, mit was man sich eigentlich so strafbar macht, wenn man diverse Dinge im Internet publiziert. Wir brauchen als Privatpersonen kein Impressum, da kann uns theoretisch keiner was. Es wird noch der Fall Ariane Friedrich ausgerollt. Ja, sie macht sich strafbar.

Ich habe dann Mittagspause gemacht und musste mir anschließend mein Ticket durch diverse Tätigkeiten verdienen. So war ich kurzzeitig als Speaker Runner eingesetzt. Hab irgendwie auch noch Gästelisteakkreditierung gemacht und am Ende Glasflaschen eingesammelt.

Am Ende dann noch die letzten 20 Minuten von Sascha Lobo´s Überraschungsvortrag. Bester Satz, der den Kreis von morgens wieder schließt: “Berater wissen, wenn man ein Buzzword oft genug benutzt, dann wird ein Budget draus.”

Und jetzt, freuen wir uns mal auf Tag 2.

re:publica 12

Ab Mittwoch ist es wieder so weit. Die re:publica öffnet zum sechsten Mal unter dem Motto ACT!ON ihre Tore und ich bin zum dritten Mal dabei. Wieder als freiwilliger Helfer. Es ist eine Konferenz über Webblogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft. Irgendjemand nannte das Ganze auf Twitter mal das “Woodstock für moderne Sozialwissenschaftler”. Es gibt dieses Jahr auch eine neue Location, da der Friedrichstadtpalast und die Kalkscheune zu kleine geworden sind. Dieses Jahr ist es die STATION-Berlin. Ich persönlich habe die letzten beiden Male nicht bereut. Jede Menge interessanter Menschen kennen gelernt und auch einen ganzen Haufen Wissen wieder mit nach Hause genommen. Dabei ist dann auch die eine oder andere Freundschaft entstanden.

Auch dieses Jahr gibt es wieder spannende Sessions, bei denen ich mir vorgenommen hab, so weit es die Akkus der Devices mitmachen, ein wenig live oder im Anschluss direkt zu bloggen. Und sollte jemand der mitlesenden Besucher Lust auf ein Hallo verspüren, so findet man mich am ersten Tag von 16:30 an am Infostand.

Vorfreude macht sich breit. Wünsche hiermit allen Anwesend viel Spaß und eine gute Zeit!

BurgerBenchmarking #6 Rosenburger

Es sind gerade mal wenige Tage vergangen seit unserem letzten Test, aber der Zufall trieb Mario und mich letzten Montag in dieses kleine Lokal am Rosenthaler Platz. Zuvor waren wir kurz beim Social Media Club im Grünen Salon (sehr langweiliges Social Video Thema diesmal) und anschließend noch auf ein Bier beim Foursquare-Meetup im St. Oberholz. Dort entstand gleichzeitig noch die Idee für eine lustige App namens “Wassili”, die an alle umgebenden Personen ein Ping sendet und auf sich selber aufmerksam macht. Dazu aber evtl. ein andermal mehr.

Kommen wir zu den Fakten:

Nach dem Kreuzburger ist der Rosenburger ein reiner Genuss. Das Fleisch (ca. 180g) war saftig und schmeckte frisch, auch wenn wir schon knapp nach 22 Uhr da waren. Es gibt einen einfachen Belag aus Salatblättern, Zwiebeln, Tomaten, Gurken und dazu natürlich noch eine Scheibe Käse plus Ketchup und Mayo. Das Brötchen frisch aufgebacken und mit dem richtigen Grad an Knusprigkeit. Im Grunde also ein solider, stinknormaler Cheeseburger ohne höhere Ansprüche. Dazu mal wieder House-Pommes und die waren super. Richtig frittiert, alle richtig durch und mit einem perfekten Salzgrad. Gibt es eigentlich eine Untersuchung darüber, wieviel Salz pro Quadratzentimeter einen optimalen Pommesgeschmack ergeben? Werde das später mal in der Bibliothek recherchieren. Im Fazit gibt es 6 von 10 Punkten und eine Empfehlung für späte Stunden am Rosenthaler Platz.

Andere Menschen und ihre Meinung im Social-Media-Check:

  • Foursquare: 991 Check-Ins von insgesamt 451 Personen. 13 Tipps, davon ist einer negativ besetzt, einer neutral und 11 insgesamt positiv und auch die vegetarischen Burger lobend.
  • Twitter: Es gibt ein paar Einträge, was bei der Lage kein Wunder ist. Darunter ein eher negativer, der den Laden als einen besseren Burger King bezeichnet.
  • Facebook: 716 haben sich eingecheckt. Es gibt 125 Likes und 16 Leute reden darüber.
  • Qype: Im Durchschnitt 4 von 5 Sternen bei 56 Einträgen.
  • Homepage: Scheint es auch nicht zu geben.

 

BurgerBenchmarking #5 Kreuzburger

Nach dem letzten Test im Dezember habe ich mich mal wieder auf einen ordentlichen Cheeseburger gefreut. Der Kreuzburger wurde mir, von einer leider vergessenen Quelle, empfohlen. So begab ich mich, dank frühen Feierabends, in die von Touristen überquellende Oranienstraße in Kreuzberg und ging hoffnungsvoll in ein ansonsten nicht ganz so leeres Lokal. Die Vorfreude allerdings verflog schneller als erwartet.

Doch erstmal die knallharten Fakten:

Vor mir wartete nur ein frisch verliebtes Pärchen auf ihre Bestellung. So bestellte ich, bezahlte, bekam die Nummer 8 zugewiesen und nahm Platz. Allmählich bildete sich dann doch eine kleine Schlange zum Bestellen. Es war Mittagszeit. Nach 15 Minuten Wartezeit wurde ich leicht skeptisch und als nach 20 Minuten die Nummer 9 aufgerufen wurde irgendwie unruhig. Auf Nachfrage konnte man sich nicht an mich erinnern, aber die Bestellung auf dem Zettel wurde noch im Mülleimer gefunden. Wieder warten, wieder 15 Minuten. Dann war es endlich so weit.

Und es war enttäuschend. Die 180g Fleisch waren viel zu trocken. Der Burger lieblos belegt mit einen Eisbergsalatblatt, Tomate, Zwiebeln, einem Gewürzgürkchen, einer Scheibe Käse und der Burgersauce. Das Brötchen im Grunde ganz ok, frisch vom Grill und gut knusprig. Alles zusammen schmeckte allerdings ein wenig fade. Lieblos ist wohl das richtige Wort. Die House-Pommes waren dagegen eine Katastrophe. Die Dünnen waren beinah verbrannt und die Dicken noch gar nicht richtig durch. Kaum gesalzen und mehr nach Fett schmeckend als nach Kartoffeln. Dass es am Abend besser ist, kann ich mir eigentlich kaum vorstellen. Wer mal schnell und günstig einen Burger essen will, der kann hier gerne hinkommen, sollte dann allerdings aber auch Zeit mitbringen. Ansonsten gibt es von mir nur 2 von 10 möglichen Burgerpunkten, 3 hätte es gegeben wenn man mich nicht vergessen hätte.

Der Social-Media-Check:

  • Foursquare: 542 Check-Ins von 360 Personen. 12 Tipps, 6 davon eher negativ. Darunter teilweise aber auch harsche Kritik wie “Widerliche Pommes” etc.
  • Twitter: Nix los, nur Foursquare Check-Ins.
  • Facebook: 490 Leute haben sich eingecheckt. Es gibt 200 Likes und 13 Personen reden darüber. Eine offizielle Seite gibt es allerdings nicht.
  • Qype: 84 Beiträge mit durchschnittlich 3 von 5 Sternen.
  • Homepage: Es gibt eine, allerdings nur mit den Fotos der beiden Läden in Kreuzberg und im Prenzlauer Berg und den jeweiligen Adressen. Keine Speisekarten oder Ähnliches.

Ich seh lila

Es gibt diese Tage, da begegnet man Leuten und schämt sich, dass sie sich in meiner Intimzone von 50m aufhalten. Man könnte uns ja in Zusammenhang bringen. Sie sind meistens laut. Sie übertönen die Stille eines Gesprächs. So war es heute. Ich war mit meinen Eltern essen. Ein gutbürgerlich-deutsches Restaurant mit jugoslawischer Küche.

Und neben uns das Grauen. Eine achtköpfige Großfamilie. Die männlichen Mitglieder trugen allesamt Hemden und Pullover (auch einen Pullunder habe ich gesichtet) deren Farben sich im pink-violetten Spektrum befinden. Die Helligkeit des Tons bestimmte, so schien es mir, die Generationen. Der Jüngste, ein wohl 17jähriger Bursche (helles pinkes Hemd), redete von seinen Karriereplänen bei der Bundeswehr. Der Großvater (dunkel-violetter Pullover) trank zwischendurch Schnäpse und bestätigte, dass man da endlich zum Mann wird. Das pinke Hemd wusste nicht so recht was damit anzufangen. Die Bundeswehr würde aus ihm keinen Mann machen. Sogar das Leben hätte es schwer, ihn jemals wie einen Mann aussehen zu lassen. Sein Vater (pinkes Hemd, violetter Pullunder) spielte beim Essen mit seinem BMW-Schlüssel herum. Nicht mal provokativ, aber jeder sollte wissen, ja, ich habe es geschafft. Jeder FDP Ortsverein wäre stolz auf so ein Mitglied. Er unterhielt sich mit dem Freund (hell-violettes Hemd) der Tochter. Da war sie nun vorbei die Vorspeise. Der Großvater wollte noch einen Schnaps. Der Pullunder hielt das für eine gute Idee, um das Essen zu vergessen. Er teilte es allen mit. Großes Gelächter. Jetzt würde man aber wieder ernst werden, das violette Hemd solle doch lieber ein Handwerk lernen, was Anständiges, er könne später immer noch studieren. Er selber hätte ja auch damals Handwerk gelernt und hat jetzt seinen eigenen Betrieb. Der BMW-Schlüssel kreiste in der Luft. Die Tochter nickte so stark, dass das Nikki-Tuch verrutschte. Sie musste es richten.

Die Fleischplatten kamen. Reichlich beladen. Die Bedienung erklärte, man sollte die eine Sorte lieber gleich essen, kalt schmeckt es sonst nicht so. Der Pullunder brüllte, hier wird schon nichts schlecht. Man sah es ihm an. In dem Haushalt wurde wohl nie was schlecht, höchstens die Stimmung, aber der Schnaps konnte auch dieses Problem lösen. Die Frauen, deren hervorstechenste Eigenschaft die Unscheinbarkeit war, luden ihren Männern die Fleischbatzen auf die Teller. Dem violetten Hemd schien das zu gefallen. Er schien sich etwas Solides zu wünschen. Das hatte er nun. Schweinefilet und eine Fahrt im BMW. Vielleicht wird das einer der besten Augenblicke in seinem Leben sein, viel besser wird es wohl jedenfalls nicht …

Unterdessen hatte der Großvater zusätzliche Schnäpse bestellt. Grappa. Sie schienen ihm zu schmecken und er musste beweisen, dass er noch der alte harte Hund war. Auch unter den strengen Blicken seiner Frau. Sagen konnte sie aber nichts, was sollten denn sonst die Leute denken. Das gehöre sich ja nicht, als Frau in der Öffentlichkeit laut zu werden, aber später zu Hause, da würde er was zu hören bekommen. Man sah ihr den ganzen Frust der vergangenen 50 Ehejahre an. Sie – an diesem Tisch – war insgesamt ein Abbild der Unterdrückung der Frau durch den Mann. Und sollte das violette Hemd hier hineinheiraten, dann würde auch dieses Hemd unterdrücken, es gehört sich ja so. Der Pullunder war fertig. Er teilte es allen mit einem Schmatzer der Begeisterung mit. Dann hob er die Hand und streckte dem Kellner den Daumen entgegen, mit der anderen Hand auf seinen leeren Teller zeigend. Der leicht blonde Schnurrbart war fettverschmiert. Er stand dann auf und ging um die Ecke, kam mit einem Bier in der Hand zurück und verkündete, während die anderen weiteraßen, es sei ja jetzt alles bereit und sie sollen doch bitte alles aufessen, denn billig war es ja nicht. Alle nickten, nein hier gönnt man sich was Besonderes, nicht immer nur die Schnitzel der Mutter.

An diesem Punkt wünschte ich mich hinab in die tiefsten Abgründe der Hölle. Ich wollte am Liebsten den Teufel fragen, ob denn ein bestimmter Farbton für  Niveaulosigkeiten in der Vorhölle reserviert sei. Zu viel Pinkviolettlilafrauenverachtung ………

Zwei Filme

Innerhalb der letzten sieben Tage zweimal im Kino gewesen. Habe dabei zwei Filme gesehen, die unterschiedlicher nicht sein können.


Barbara – hätte länger gehen können. Das Ende war zwar perfekt, aber plötzlich. Es ist die Geschichte von Barbara Wolff (gespielt von Nina Hoss), einer Ärztin, die nachdem sie erfolglos einen Ausreiseantrag gestellt hat in ein Provinzkrankenhaus versetzt wird. Sie arbeitet weiter an ihrem Plan aus der DDR zu fliehen, aber freundet sich gleichzeitig mit ihrem Vorgesetzten Andre Reiser (gespielt von Ronald Zehrfeld) an.
Ein Film von dem ich am Anfang dachte, dass er einen runterzieht. Die Geschichte wird aber ruhig und vollkommen locker erzählt. Es geht um die Frage, wem man vertrauen kann im Staat und den Wunsch nach Freiheit. Nina Hoss spielt diese Rolle perfekt. Es lohnt sich diesen Film zu gucken.


Die Tribute von Panem / The Hunger Games – war zu lang. Offen für die Fortsetzungen, die wahrscheinlich nicht kürzer ausfallen werden. Katniss Everdeen (gespielt von Jennifer Lawrence) meldet sich freiwillig als Tribut um ihre Schwester zu retten. Es gilt für die Hauptstadt in einer Arena bei einem Kampf um Leben und Tod gegen die anderen Bezirke des Staates anzutreten. Der Gewinner ist der letzte Überlebende.
Im Grunde ist dieser Film durchaus gut gemacht, auch wenn er öfters zu schrill wirkt. Die Medienkritik zieht sich unablässig und nicht unbedingt subtil durch die gesamte Handlung. 142 Minuten waren dann auch einfach zu lang. Es ist ok, sich das Ganze auf DVD anzusehen. Im Kino allerdings ein wenig einschläfernd.